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Wahrheit und Hetze

Es gibt viel zu viele Beispiele, wie betonköpfig und ideologisch verbohrt die deutschen Medien an den BND-Skandal um bespitzelte und spitzelnde Journalisten herangegangen sind. Nur wenige Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehanstalten verfügten über die Größe, auch den Irrweg zu erkennen, dass sie missbraucht wurden, und daraus Konsequenzen zu ziehen. Nur wenige schafften es, ausgewogen zu berichten und alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Das ist traurig und wirft ein bedenkliches Licht auf den inneren Zustand der Branche.


Das leuchtende Vorbild aller sollte der „Stern“ sein.


Der Reihe nach: In der Ausgabe vom 18. Mai 2006 berichtete das Hamburger Magazin, wie die anderen auch, über den „Spitzel-Skandal“ (so der damalige Titel). Schon aus Konkurrenzgründen schöpften die „Stern“-Schreiber aus der trüben Quelle des noch nicht abgeschlossenen und unveröffentlichten „Schäfer-Berichts“. Sie schrieben über den früheren BND-Präsidenten Hansjörg Geiger, der „am 6. Dezember 1996 entschieden“ haben soll, „den Journalisten Wilhelm D. einzusetzen, um Quellen zu enttarnen, aus denen BND-Interna an die Öffentlichkeit drangen“. Anders als FOCUS, unterschlugen sie jedoch nicht, dass Geiger dem Bundesrichter a.D. Schäfer versichert hatte, er habe „definitiv“ nicht den Auftrag zur Bespitzelung von Journalisten erteilt.


Der BND-Konfident Erich Schmidt-Eenboom wurde im „Stern“ mit einem Ablenkungsmanöver zitiert. Wilhelm D., sagte er, „scheine eine Schlüsselfigur des Skandals zu sein“. Und weiter: „Von 1982 bis 1994 habe er als BND-Mann im Nah- und Mittelost-Referat des Dienstes gearbeitet. Dann sei er auf Weisung Porzners außer Dienst gestellt worden, die BND-Sicherheitsabteilung habe ihn jedoch zur Bespitzelung von Journalisten angeheuert.“ Märchen aus Tausendundeiner Nacht.
Den nächsten Absatz muss man im Original lesen, um den Grad der Desinformation erahnen zu können: „Insgesamt soll Wilhelm D. laut Schäfer-Bericht 652 738,91 Mark Spitzelhonorar kassiert haben. Dafür habe er mehrere hundert Berichte über Journalisten abgeliefert. Besonders intensiv habe er den `FOCUS´-Redakteur Josef Hufelschulte bespitzelt, den Geheimdienstexperten des Magazins, mit dem er befreundet war. D. sei aber auch gegen „Spiegel“-Redakteure tätig gewesen. Vor allem gegen die Journalisten Hans Leyendecker, heute `Süddeutsche Zeitung´, und Georg Mascolo: `Spiegel´-Chef Stefan Aust hatte D. engagieren wollen, was Mascolo und Leyendecker verhinderten.“


Dann passierte das, was den „Stern“ so wohltuend von seinen Mitbewerbern um die Gunst der Leser unterscheidet. Der Redakteur Georg Wedemeyer rief an und bat um ein reguläres Interview. Alle anderen hatten das nicht für nötig gehalten, weil es dem Trend ihrer Artikel geschadet hätte. Wedemeyer kam und stellte seine Fragen. Am 22. Mai wurde das Interview, von mir autorisiert, bei „Stern Online“ veröffentlicht („Ein Spitzel packt aus“). Zwei Tage später erschien der neue „Stern“ und erzählte „Aus dem Leben eines Spitzels“. Diesmal ging es allerdings um Uwe Müller aus Leipzig, Deckname „Sommer“, den der BND auf mich angesetzt hatte. Nun bekam er das Prädikat „Schlüsselfigur“ weitergereicht. Der „Stern“ berichtete, was andere mutwillig verschwiegen. Müller sollte alles über das gerade entstehende Buch „Bedingt dienstbereit“ herausfinden, und seine Erkenntnisse dem BND berichten. In dem „Stern“-Artikel heißt es wörtlich: „Zweimal besuchte Müller Dietl in dessen Anwesen in der Oberpfalz, angeblich im Auftrag der `Schweizerischen Vereinigung der ehemaligen Geheimdienstleute´. Müllers BND-Agentenführer, Besitzer eines Labradors, war stets auch sehr an Infos über Dietls Hund `Jagger´ interessiert. Dietl erinnert sich daran, dass Müller auffällig oft nach dem Tier gefragt habe.


Weil Müller keinen Führerschein hat, kam er mit einem vom BND bezahlten Chauffeur bei Dietl vorbei. `Bei einem Besuch, erinnert sich der frühere FOCUS-Mann, hatte Müller noch drei weitere Bodyguards vom BND dabei, die bei mir im Garten im Gebüsch lagen´. Müller hatte beim BND darum gebeten, weil er Dietls dunklen Aktenkeller nicht mochte. ´Es war furchtbar da unten´, schaudert es den Leipziger heute noch. Als Gastgeschenk brachte er eine DVD mit einer alten Agentenserie aus dem DDR-Fernsehen mit. Titel: „Archiv des Todes“. Dietl servierte dem Gast dafür Krapfen, die Müller gut schmeckten.“
Vom Stoßtrupp der Schlapphüte in meinem Garten erfuhr ich durch die Lektüre des „Stern“. Es überraschte mich, wie dreist das Observationskommando des BND vorgegangen war.


Mein Anwalt forderte Unterlassung und Widerruf vom „Stern“. Es ging um sechs Punkte: Die angebliche Bespitzelung von Journalisten im Allgemeinen, die Art der Bezüge, die Tätigkeit für den BND („mehrere hundert Berichte über Journalisten“), die nicht erfolgte Beobachtung von Josef Hufelschulte, die Aktion gegen „Spiegel“-Redakteure und, besonders mysteriös, den Vorwurf, den früheren „Stern“-Redakteur Karl Günther Barth ausgespäht zu haben.


Nach längerem Hin und Her räumte die „Stern“-Redaktion ein, dass für die ehrenrührigen Behauptungen keine Beweise existierten. Zu den beiden wichtigsten Punkten gaben sie eine Unterlassungserklärung ab:


1. „Dietl hat laut Schäfer-Bericht 652 738,91 Mark Spitzelhonorar kassiert.“

2. „Dietl hat für das gesamte Honorar mehrere hundert Berichte über Journalisten an den BND abgeliefert.“

Die anderen vier Punkte wird der „Stern“ nicht mehr wiederholen, ohne darauf hinzuweisen, dass ich die Richtigkeit der Behauptungen bestreite.


Darüber hinaus führte „Stern“-Redakteur Georg Wedemeyer ein weiteres Interview, das in der Ausgabe vom 28. September 2006 erschien:

 

„Ohne Not enttarnt“


Der Journalist und Buchautor Wilhelm Dietl, 51, zu seiner Zeit als Agent und seinem Verhältnis zum BND. Im Rahmen der BND-Affäre um die Bespitzelung von Journalisten wurde bekannt, dass Sie unter den Decknamen „Dali“ und „Schweiger“ Geheimdienstmitarbeiter waren. Warum haben Sie jetzt Ihren früheren Arbeitgeber angezeigt?


Der BND hat mich ohne Not enttarnt. Er hat gegen jede Regel des Gewerbes meinen Namen genannt und geheime Details meiner Tätigkeit preisgegeben. Das ist nach deutschem Gesetz als Geheimnisverrat strafbar. Was haben Sie als BND-Agent gemacht?


Ich war ab 1982 hauptsächlich im Nahen und Mittleren Osten eingesetzt und beschaffte Informationen zu Politik, Wirtschaft, Terror, Waffenhandel, Drogen und bei Geiselnahmen. 1993 bin ich ausgestiegen.


Es wurde berichtet, Sie hätten später vom BND viel Geld für Hunderte Spitzelberichte über Journalistenkollegen erhalten.


Völlig falsch. Entsprechende Klagen auf Richtigstellung laufen. Ich habe zu keiner Zeit im Auftrag des BND irgendeinen Journalisten bespitzelt. Ich habe dazu nicht einen Bericht geschrieben. Und mein Geld vom BND bekam ich ausschließlich für meine Nahost-Tätigkeit. Dass ich, wie viele andere, bei Gesprächen mit dem BND-Abteilungsleiter Volker Foertsch auch über allgemein bekannte Ereignisse der Journalistenszene geredet habe, wurde aufgebauscht. Hintergrund ist, dass ich zusammen mit einem anderen früher fest angestellten BND-Mitarbeiter zwei kritische Bücher über den BND geschrieben habe. Dafür wollten die sich wohl rächen. Um an die Manuskripte der beiden Bücher heranzukommen, hat mich der BND ja selbst bespitzeln lassen. Ein Zeuge berichtete mir, dass das Observationskommando des Dienstes sogar das Risiko eines Überfalls tragen wollte, um mir dabei die Papiere abzunehmen.


Trotzdem sind Sie als Journalist, der gleichzeitig heimlich BND-Agent war, jetzt unten durch. Wovon leben Sie?


Vom Bücherschreiben. Gerade ist mein neues Buch „Spy Ladies“ erschienen. Anfang Oktober folgt ein „Lexikon des Terrorismus“, das ich zusammen mit Rolf Tophoven und Kai Hirschmann verfasst habe. Und zwei neue Buchverträge zum Thema Spionage in Nahost habe ich schon in der Tasche.
Der juristische Umgang mit dem „Stern“ war korrekt und absolut professionell. So sollte es immer sein, wenn eine Redaktion erkennt, dass sie Umstrittenes falsch dargestellt hat.


Im den vergangenen Jahren lernte ich mein Gewerbe aus der Optik des Betroffenen kennen, des Objekts, über das man mehr oder minder hastig oder gar bösartig berichtet. Manche Kollegen waren akribisch hinter der Wahrheit her, und anderen ging es nur um Hetze.


Eine knappe Auswahl meiner Erfahrungen in eigener Sache mit den Medien:


Nachdem reißerische Artikel und Filmbeiträge bei FOCUS, „Spiegel“ und im NDR-Magazin „Zapp“ im November 2005 die Affäre losgetreten hatten, folgten die Kleineren.


Und auch die Kleingeister. Ich war bis dahin ein regelmäßiger Studiogast in Sachen Nahost und Terrorismus gewesen. Am Mittwoch, 30. November 2005, rief mich die Redaktion von „Antenne Bayern“ an. Ob ich bereit sei, am folgenden Samstag als Terrorismusforscher an einer Gesprächsrunde im Münchner Studio teilzunehmen. Thema: Entführungen im Irak. Mögliche weitere Teilnehmer: ein Iraker, der in Deutschland lebt, eine Verwandte der verschleppten deutschen Archäologin Susanne Osthoff, ein deutscher Politiker …. Die Runde war noch nicht komplett. Ich sagte zu. Am Donnerstag telefonierte ich mehrfach mit „Antenne Bayern“. Wir organisierten den Samstag mit allen Details. Gegen 18.30 Uhr war die zuständige Redakteurin noch einmal am Telefon. Sie bedauerte es, mich wieder ausladen zu müssen. Ich fragte nach dem Grund. Dann folgte eine erstaunlich ehrliche Antwort: „Unser Hauptaktionär heißt Helmut Markwort. Der reißt mir den Kopf ab, wenn Sie an dieser Diskussion teilnehmen.“ So tief sitzt die Schere im Kopf.


Am 5. Dezember 2005 berichtete „Deutschland-Radio“ in einem längeren Feature über „Deutsche Journalisten im Visier des BND“. Ich wurde als „einer der Spitzel“ vorgestellt. Der Sender zitierte „Zapp“ und Helmut Markwort, und dazu den einschlägig instrumentalisierten Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken. Sie waren sich alle einig in ihrer Vorverurteilung.


Der Berliner „taz“ stand ein anderer Verdächtiger – Erich Schmidt-Eenboom - am 9. Dezember 2005 zur Verfügung. Zitat: „Sehen Sie nur den Fall des Journalisten Wilhelm Dietl. Der hat von Anfang der 80er Jahre bis mindestens 1993 als operativer Beschaffer für den BND gearbeitet. Anschließend hat er wohl bis 1997 der BND-Sicherheitsabteilung zugearbeitet und für diese seine Kolleginnen und Kollegen ausspioniert. Wer sich solchermaßen verstrickt hat und über viele Jahre Angehöriger des BND war, der darf sich über nachfolgende Observationen weder wundern noch beschweren.“ Monate später forderte der selbsternannte BND-Forscher in einer Livesendung von „N24“, mich mit einem Berufsverbot zu bedenken. Wer im Glashaus sitzt…..


Ziemlich ausgewogen präsentierte der DJV in seiner Verbandszeitschrift (1/06) die Journalistenaffäre des BND. Titel: „Die Schatten vom Dienst“. Darin aber eine völlig unrealistische Anregung: „Würden Dietl und Schmidt-Eenboom vereint gegen den BND vorgehen, böte sich die Chance, das Ausmaß der Überwachung umfassend aufzuklären. Doch statt eine Schicksalsgemeinschaft zu bilden, stehen sich die beiden Buchautoren als Kontrahenten gegenüber: Im Gegensatz zu seiner Überwachung sei eine Observation Dietls rechtmäßig, meint Erich Schmidt-Eenboom. Er beschuldigt Dietl, von 1981 bis 1997 für den Bundesnachrichtendienst tätig gewesen zu sein. Und ehemalige Mitarbeiter dürfe der Dienst überwachen. Dietl weist dies vehement zurück: Er sei als Journalist überwacht worden. `Ich kenne den Mann, der mich ausforschen solle. Er bot mir Geld, um vorab in mein erstes Buch mit dem ehemaligen BND-Mann Juretzko schauen zu können´“


„Spitzel-Dienste“ lautete die nächste einschlägige Titelgeschichte, die der „Journalist“ im Juli 2006 abdruckte. Dem Zentralorgan der deutschen Journalisten konnte ich entnehmen, dass ich „seit 1991 beim FOCUS unter Vertrag“ stand, also zwei Jahre länger als es das bunte Bilderblatt überhaupt gab. Und, wie so oft, durfte Helmut Markwort dem „Schäfer-Report“ widersprechen: „Dietl wurde uns vom BND reingesetzt.“


Ich verfasste meinerseits einen langen Brief, den ich an die Chefredakteurin des „Journalisten“ adressierte. Etwas gekürzt erschien er im August-Heft als Leserbrief.


„Ich scheine natürlich für manche der natürliche Täter zu sein. Warum eigentlich? Inzwischen ist weithin bekannt, dass ich von 1982 bis 1993 für den BND gearbeitet habe. Warum halten Sie immer noch an 1998 fest? Zu der Zeit habe ich nur unbezahlten Small Talk geführt, nicht selten sogar Recherchegespräche, von mir erbeten.


Uwe Müller aus Leipzig war in erheblichem Maße auf mich angesetzt und nicht auf Andreas Förster. Ich habe in den letzten zehn Jahren drei BND-kritische Bücher geschrieben, die beim Dienst erheblichen Zorn auslösten. Müller sollte alles darüber herausfinden, möglicherweise sogar das Manuskript vorab besorgen. Dazu rief er mich zeitweise im Stundentakt an, schreckte vor der mühseligen Reise in den Bayerischen Wald nicht zurück und berichtete fleißig seinen Gewährsleuten bei der BND-Sicherheit.


Warum ist das – vom „Stern“ abgesehen – kaum ein öffentliches Thema? Nicht nur im Schäfer-Report werden die Observations-Operationen des BND gegen mich geschildert. Das überliest man gerne, passt ja nicht zum Täter.


Würden Sie im angelsächsischen Raum leben, dann wäre es Ihnen nicht fremd, dass Menschen im Laufe ihres Lebens mehrfach die Branche und den Arbeitgeber wechseln, und dass dies sogar im Zusammenhang mit Geheimdiensten als ehrenvoll angesehen wird.


Da gibt es Analytiker, die von den Medien zu den Diensten und in den Universitätsbereich wechseln. Sie sprechen darüber und keiner beschimpft sie deshalb. Keiner konstruiert mutwillig, dass sie beispielsweise journalistische Kollegen bespitzelt haben.


Da wären wir wieder bei mir. Ich habe zu keiner Zeit, weder für den BND noch für jemand anderen, Journalisten ausgeforscht. Wer das behauptet, der lügt. Schreiben Sie das.“


Mehrere, eher harmlose Artikel überbrückten die ruhige Zeit bis zum Mai 2006, dem Monat des berühmt-berüchtigten „Schäfer-Berichts“. Die „Tagesschau“ beendete das Schweigen, und am nächsten Tag stand es, unausgegoren und mit Halbwahrheiten gespickt, in der „Süddeutschen“.


Eine Wochenendzusammenfassung von AP kam der Wahrheit sehr nahe, wurde aber kaum wahrgenommen: „Geiger räumte jedoch ein, dass der BND mit einem Journalisten gearbeitet habe. Laut `Berliner Zeitung´ bestätigte er Angaben des ehemaligen Geheimdienstkoordinators Bernd Schmidbauer, wonach er im Dezember 1996 den weiteren Undercover-Einsatz des Journalisten Wilhelm D. für den BND angewiesen habe. Es habe sich dabei um einen `Sonderfall´ gehandelt. `Es ging damals um einen Vorgang, der mit der journalistischen Tätigkeit von D. und überhaupt mit Journalisten nichts zu tun hatte. Wenn D. dennoch der Sicherheitsabteilung über Journalisten berichtet hat, dann war das von meiner Anweisung nicht gedeckt´, zitiert die Zeitung Geiger.“ Das erschien am 15. Mai 2006, auch in der „taz“, wurde jedoch von den „Scharfrichtern“ des Gewerbes komplett ignoriert.


Besonders übel und oberflächlich im „Berliner Kurier“. Der gesamte Artikel bestand aus acht Zeilen: „680 000 Mark Judas-Lohn für den Verräter. Der Journalist Wilhelm Dietl ist ein Verräter – und er gibt das auch zu. Dietl soll laut `Spiegel´ vom BND über 680 000 Mark (347 000 Euro) als Judas-Lohn erhalten haben. Er soll von 1982 bis 1998 als `QUICK´- und `FOCUS´-Journalist jahrelang unter dem Decknamen `Dali´ für den BND auch andere Journalisten ausspioniert haben. Über 680 000 Mark soll er als Judas-Lohn bekommen haben. Als bekannt wurde, das Dietl dem BND `nahe stand´, trennte sich der `FOCUS´ von ihm. Sein früherer Chef Helmut Markwort äußerte sich später in der NDR-Sendung `Zapp´ über Dietl: `Diesen Menschen bezeichne ich nicht mehr als Kollegen und erst recht nicht als Journalisten!´ Gestern Abend räumte Dietl ein, dem BND Informationen über einen Kollegen gegeben zu haben. Die Kontakte seien aber nur von ´1992 bis 1994, maximal bis Anfang 1995´ gelaufen. Geld habe er nicht erhalten. Sein Motiv: Rache an einem Kollegen.“


Es waren Tage, in denen jeder alles schreiben durfte, und sei es der größte Unsinn. Leute griffen zum Redaktions-PC, die bis dato mit dem Kürzel BND nichts anzufangen wussten. Andere verstiegen sich in luftige Prosa, um die geforderte Zeilenanzahl zu füllen. Ein besonders buntes Beispiel stammt aus der „Mittelbayerischen Zeitung“, die in Regensburg erscheint. Der Autor des Artikels „Der Nachrichten-Agent“ kam über mich zu folgendem Urteil: „Der reisefreudige Journalist, der stets gerne mit seinen Detailkenntnissen über die Brennpunkte der Welt prahlte, ohne jemals als Kriegsberichterstatter an vorderster Front tätig gewesen zu sein, gilt als Meister des Nachrichten-Deals, der eigene Informationen als Lockmittel einzusetzen versucht, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.“ Was wollte uns der Poet sagen? Das zu ergründen, wäre eine Herausforderung für jedes Medien-Seminar.


Zurück zum „Berliner Kurier“, einem traurigen Erbstück aus dem untergegangenen Osten. Nachdem ich dem mir gut bekannten Chefredakteur, ein ehemaliger bayerischen Lokalzeitungs-Kollege, juristische Schritte angekündigt hatte, erschien am 26. Mai 2006 eine als weiterführende Meldung getarnte Berichtigung. Das las sich dann so: „Ich habe niemals Kollegen bespitzelt!“ BND-Affäre: Im Kurier beteuert Ex-Agent Dietl seine Unschuld. Berlin – In der BND-Spitzelaffäre wird heute der Untersuchungsbericht über die Bespitzelung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst veröffentlicht. Der Journalist Wilhelm Dietl ist damit erst einmal zufrieden. `Es wird sich zeigen, dass ich keinen Kollegen bespitzelt habe, so wie das in vielen Zeitungen, auch in dieser Zeitung, behauptet worden war. Es gibt in dem Bericht dafür keinerlei Ansatzpunkte.´ Dietl erklärte uns die wahre Geschichte: `Bevor ich Journalist wurde, war ich 11 Jahre beim BND angestellt. Ich war also ein richtiger Agent. Ich habe im Nahen Osten als Undercover-Agent gearbeitet, dort unter anderem aktive Terrorabwehr betrieben. Ich konnte dem BND genau melden, wer von den arabischen Terroristen oder denen, die wir des Terrorismus verdächtigten, wann und wohin reisten. Ich habe Daten und Fotos geliefert. Das halte ich für sehr verdienstvoll. Für diese Arbeit wurden 652 000 Mark gezahlt. Davon entfielen aber 419 000 Mark auf Auslagen, die ich hatte. Also keine Rede davon, dass ich dieses Geld dafür bekommen haben soll, Kollegen auszuspionieren. Das ist reiner Unsinn. Ich habe keine Spitzeltätigkeit gemacht, war kein Zuträger, sondern ein vollwertiger BND-Mann!“ Kindergartenniveau, aber unmissverständlich.


Nach den ersten, turbulenten Tagen der Kampagne schlugen die Rufmord-Profis auf wesentlich höherem Niveau zu. In der „Süddeutschen Zeitung“ erschien am 17. Mai 2006 der Artikel „Stets zu Diensten“. Der Untertitel erinnerte bereits an eine andere, unselige Zeit: „Von `Ratten´ und `Schmeißfliegen´: Welches Milieu und welche Figuren sich die Pullacher Behörde zunutze gemacht hat, um in der Medienlandschaft ihre Art der Aufklärung zu betreiben“.


Nun kam es knüppeldick. „Wenn man selbst nichts Exklusives zu bieten“ habe, heißt es da, „dann tut es oft auch der Klatsch über Kollegen.“ „Exemplarisch ist das bei Wilhelm Dietl, einem Nahost-Experten, der jahrelang für den BND arbeitete und am Ende vom BND bespitzelt wurde. Zuletzt berichtete der Zwei-Zentner-Mann aus der Oberpfalz nur, was er von seinen Recherchen im Nahen Osten erfuhr, dann erzählte er auch über Kollegen. Und am Ende wurde er nur noch dafür eingesetzt, über Journalisten zu berichten.


So eng war die Verquickung von Dietl mit dem BND, dass er dort manchem als Sicherheitsrisiko galt. Am 5. Juli 1999, so heißt es, gab es einen Aktenvermerk, wonach Dietl wohl derjenige sei, `der die umfassendste Kenntnis über den BND und dessen Mitarbeiter erlangt habe´. Und es gab genug BND-Leute, die Zweifel daran hatten, ob die massive Kenntnis Dietls über den Dienst sicherheitsmäßig überhaupt noch tragbar war. Andererseits betrachteten ihn seine Agentenführer als `Juwel´ und erklären auch heute noch, es sei berechtigt gewesen, ihm über die Jahre 650 000 Mark zu zahlen. Als Dietl selbst im Oktober 2005 vom Magazin Zapp nach dem Geld gefragt wurde, grinste er in die Kamera und sagte: `Schön, hoffentlich hat es sich verzinst. Nee, keine Auskunft.´


Dietl soll berichtet haben, woher der Spiegel angeblich die Akten zur Plutoniumaffäre hatte und welche Kontakte der FOCUS-Redakteur Josef Hufelschulte, ein Spezialist für Geschichten über Sicherheitsbehörden, in den BND hatte.“


Sogar die sonst so vornehme und vorsichtige „Zeit“ reihte eine Unrichtigkeit an die andere. Leichtfertig kolportierte der journalistische Experte Jochen Bittner unter dem Titel „Gemein mit den Geheimen“, ich sei „jahrelang als BND-U-Boot beim FOCUS“ geparkt gewesen. Ich hätte 600 000 Honorar „für diverse Berichte“ erhalten. Nur ich sei bezahlt worden, kein anderer Journalist. Über mich seien „Berichte in die FOCUS-Redaktion eingespeist worden“. 2004 sei ich als „journalistisch-geheimdienstlicher Doppelagent“ bei FOCUS aufgeflogen. In einem irakischen Geheimdienstpapier hätten sich „wörtliche Passagen aus einem vertraulichen Gespräch“ zwischen Markwort und mir gefunden. Ein vertrauliches Gespräch, an dem fünf Personen teilgenommen hatten, und das später im ganzen Haus Tagesgespräch wurde. Bittner wieder wörtlich: „Markwort stellte den Mitarbeiter zur Rede – und legte ihm die Kündigung vor.“ Jeder Satz ein grober Fehler. Was für eine Zeit´sche Fehlleistung. Billigste Boulevardblätter hatten seriöser berichtet.


Langsam bewegte sich dagegen die „Mittelbayerische Zeitung“ wieder in Richtung Normalität. Sie zitierte aus einem Interview, das ich Tilman Jens für das Fernsehmagazin „Kulturzeit“ und die „Heute“-Nachrichten gegeben hatte. Nun hätte ich meine Arbeit für den BND eingestanden. Die MZ verwies fairerweise auf eine Meldung die in der „Financial Times“ und über die Agenturen gelaufen war. Ex-BND-Präsident Hans-Georg Wieck habe meine Angaben bestätigt. Ich sei aber auch nach 1993 noch vom Sicherheitschef Foertsch abgeschöpft worden. MZ wörtlich: „Dietls Aufgabe sei aber nicht das Ausspionieren seiner Kollegen gewesen. Er habe Informationen über den palästinensischen Terroristen Abu Nidal und die Terrororganisation Hisbollah liefern sollen“.


Helmut Markworts gezielte Desinformation tauchte auch in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auf. In einem Artikel von Michael Hanfeld („Bericht an Saddam“) wurde er andauernd zitiert. Ich hätte „Verräterbeschattung“ betrieben. „652 000 Mark soll der freie Mitarbeiter Wilhelm Dietl dafür bekommen haben, für insgesamt 856 Berichte, die allerdings nicht nur den FOCUS betreffen“.


In einem ersten von zahlreichen Artikeln beleuchtete der Internet-Blog „r-archiv“ meinen ganz speziellen Fall – siehe „Zerrbilder“. Der BND habe offensichtlich „einen seiner ehemaligen nachrichtendienstlichen Agenten im Ausland gegenüber dem Sonderermittler Schäfer als Paradebeispiel eines Journalisten vorgestellt, der 16 Jahre seine Kollegen bespitzelt habe“. Auch das „r-archiv“ zitierte den Ex-Präsidenten Wieck. „Die Bedeutung des Agenten wurde so hoch angesiedelt, dass der Agent Wilhelm D. … (ihm) dem Präsidenten des BND persönlich Bericht erstattete.


Zur Aufdeckung einer solchen Agententätigkeit – in Zusammenhang mit einem völlig anderen Sachverhalt – ist ein nachrichtendienstlicher Skandal erster Ordnung, die zeigt, dass der BND dem Agentenschutz freier Mitarbeiter in keiner Weise gerecht wird oder (hier) zur Ablenkung gerecht werden wollte.“ Sämtliche einschlägigen Artikel aus dem „r-archiv“ finden sich in der Rubrik „Zerrbilder“.


Ein anderer Blog mit dem seltsamen Namen „Tapirherde“ (Untertitel „Der tägliche Wahnsinn“) pickte sich aus meinen ersten Interviews nach Beginn der Affäre meine Ankündigung weiterer, klärender Details der Zusammenarbeit mit dem BND heraus. So klang die etwas eigene Interpretation: „Er droht damit für den Fall, dass der Präsident des BND, das ist zur Zeit der Herr Ernst Uhrlau, die Zusammenarbeit des Journalisten mit dem Geheimdienst nicht schriftlich erläutern würde. Die Vermutung liegt nahe, dass Herr Dietl in erster Linie auf einen Persilschein anspielt, der John wohl von jeglicher Schuld reinwaschen soll. Von einer `Ehrenerklärung´ ist die Rede – Erinnert nur mich das spontan an Uwe Barschel?


Für den Fall, dass die gewünschte Erklärung von Herrn Uhrlau ausbleibe, droht Dietl an weitere Details offenzulegen. Das ist für mich Erpressung. Da gibt es nichts schönzureden und auch keinen Spielraum für Interpretation. Herr Dietl will nicht der Sache, der Aufklärung der Vorgänge, den Interessen der Demokratie, des Staates oder anderer höherer Ziele und Ideale wegen Informationen veröffentlichen, sondern einzig und alleine wegen seiner privaten Interessen. Und wenn man seinem Wunsch nach Bauchpinselei nicht nachkommt, dann macht er Stress. `Drohung mit einem empfindlichen Übel´, heißt das im StGB.“
Was für ein heroisches Gesülze. Welche Schuld?


Der Satz der Woche kam von Helmut Markwort. Die „Berliner Zeitung“ fragte ihn, wie er sich „das besondere Interesse des BND“ an seinem Magazin erklärte. Markworts Antwort verblüffte einmal mehr: „Ich denke, das hat etwas mit unseren guten, exklusiven Geschichten zu tun.“


Nach einer Lesung in Braunschweig berichtete „Spiegel Online“ von „Schnurren vom dicken Willy“. Ich war gerade in Berlin gewesen und hatte den Sonderermittler Schäfer getroffen. Er hatte mir versichert, meine BND-Honorare seien ausschließlich für Auslandstätigkeit geflossen. Die vom BND benannten Journalisten hätten in keinem Fall ihre eigene Redaktion bespitzelt. Und so weiter. „Spiegel Online“ beschrieb meine Reaktionen auf die Fragen aus dem Publikum: „Er weiß, in den Aktenvermerken verbirgt sich ein möglicher Weg zu seiner Rehabilitation. Am Ende, wenn sich diese Version bestätigt, könnte der `dicke Willy´ gar als einziger der Verdächtigen sauber dastehen. Nicht als Journalist, der Journalisten anschwärzte – sondern als Agent, der Agenten führte. Als freischaffender BND-Spion, dessen Journalistenleben nur Legende war. Ein sagenumwobener Händler zwischen den Welten sozusagen, der es sogar bis zum FOCUS schaffte.


Mit Details hält sich Dietl bisher noch zurück. Zu genau weiß er, dass sich hinter seiner Geschichte noch genug Stoff für viele Bücher ve
rbirgt. Seine Erlebnisse – ob wahr oder nicht – wären spannender als das BND-Lamento, wegen dem er eigentlich heute nach Braunschweig gekommen ist.“


Langsam begannen die Medien – mit Ausnahme der besonders aggressiven – zu erkennen, dass mein Fall aus der Rubrik „Journalistenbespitzelung“ als Fremdkörper herausragte. In der „Financial Times Deutschland“ schrieb Jürgen Elsässer drei Tage vor dem Erscheinen des „Schäfer-Berichts“: „Wenn Dietl im ZDF nicht nur geflunkert hat, so hat der BND ihn als Topagenten in der wichtigsten Krisenregion der Welt durch Bloßstellung gegenüber Schäfer zum Abschuss freigegeben.“ Das traf den Nagel auf den Kopf. Zeit für einen Satz in der neuen Woche. Ernst Uhrlau erklärte zum Erscheinen des 179 Seiten starken „Schäfer-Berichts“: „Für Rechtsverletzungen, die durch Maßnahmen des BND erfolgt sind, bitte ich als Präsident des BND um Entschuldigung.“ Er sprach nichts von Rechtsverletzungen gegenüber früheren Mitarbeitern, die er durch seine Enttarnung an Leib und Leben gefährdet hatte.


Mit der Freigabe des Untersuchungsberichts änderte sich der schrille, hysterische Ton der Berichterstattung. Plötzlich wurde relativ sachlich erklärt, analysiert, zugeordnet. Rasch verschwanden auch wieder die Klarnamen der Betroffenen aus den Medien. Sie wurden zumeist anonymisiert oder ganz weggelassen. Recht und Ordnung sollte wieder einkehren.


Nur Hardliner, wie die FAZ, bezeichneten mich weiterhin „als Informant über dieses, jenes und Journalistenkollegen“.
Wohltuende Objektivität kehrte bei den Kollegen von der Lokalpresse ein. Im Gegensatz zu den überregionalen Edelfedern hatten sie es nicht verlernt, persönliche Gespräche zu führen, nachzufragen, sich fremde Welten ausführlich erklären zu lassen. Über Nacht gewann ich den Eindruck, dass die lange belächelte und zuwenig ernst genommene Lokalpresse eine Art von Qualitätsjournalismus betrieb, der Blättern wie der „Süddeutschen Zeitung“ oder führenden Wochenmagazinen gänzlich abhanden gekommen waren.


Zum Beispiel: die „Kötztinger Zeitung“ vom 31. Mai 2006. Überschrift: „Wilhelm Dietl betrachtet sich als Opfer einer Kampagne von FOCUS und BND“.
Der Artikel von Franz Amberger war eine exakte Chronologie der Ereignisse. Kostprobe: „Als die Affäre hochkochte, hielt Wilhelm Dietl sich in Amerika auf und beobachtete das Geschehen aus der Ferne. Die nachfolgenden Veröffentlichungen im deutschen Blätterwald (`die haben sich gegenseitig hochgeschaukelt´) füllen inzwischen einen dicken Leitz-Ordner. Nach Dietls Eindruck wurden die Mutmaßungen zu seiner Person `von FOCUS lanciert, vom BND mit gezielten Indiskretionen angereichert und von karrierebesessenen Kollegen an die Öffentlichkeit getragen´. Als Ursache für die Diffamierungen nennt Dietl `Rachegelüste´ und `alte Animositäten´.“


Aus Wien reisten Arpad Hagyo und Robert Treichler an, um mich für das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“ zu befragen. Das Ergebnis war eine kritische Reportage („Die verlorene Ehre des Wilhelm Dietl“, „Der deutsche Bundesnachrichtendienst spionierte Journalisten aus und instrumentalisierte dafür deren Kollegen. Wilhelm Dietl ist einer von ihnen. Er droht auszupacken.“), die zum Kern der Problematik gelangte. Auszug: „Die Sonne steht tief über dem Wäldchen, das Dietls Garten begrenzt. Dietl trinkt Cola light und zeigt keine Anzeichen von Müdigkeit. Er kämpft darum, dass man ihm glaubt, aber es ist aussichtslos. Niemand kann wissen, was genau Dietl Förtsch über Journalisten erzählt hat; ob es stimmt, was in Förtschs Aufzeichnungen steht, oder ob Dietl, wie er sagt, über `Branchenklatsch´ geplaudert habe. Tatsache ist, dass Dietl als `Schweiger´ in den Jahren 1997 und 1998 Honorare vom BND bekommen hat, allerdings nur je rund 320 Euro. Angeboten habe ihm Förtsch 2500 Euro für Informationen in der Plutonium-Affäre, aber Dietl versichert, er habe keinen Auftrag angenommen. `Ich habe vielleicht gesagt: Wenn ich etwas höre, werde ich es Ihnen erzählen.´ Das kann sein.“


Am 30. Juni 2006 befasste sich das Branchenmagazin „Geheim“ mit der Journalistenaffäre. Der Autor war ein echter Insider, der das Geschäft in allen Einzelheiten kennt. Und der auch weitgehend erkannte, worum es wirklich ging: „Dietl wird auf einmal Co-Autor (oder Ghostwriter?) von zwei Büchern des BND-Dissidenten Norbert Juretzko, die dem BND viel Ärger bereiteten und vom BND auch mit juristischen Mitteln attackiert wurden. Im Mittelpunkt des ersten Buches `Bedingt dienstbereit´ stehen die Affären um Volker Foertsch, dem aus Informationen einer dubiosen russischen Quelle des Norbert Juretzko die Arbeit als Maulwurf des russischen Dienstes unterstellt wurde.


Attackiert nun Dietl nachträglich seinen einstigen Förderer im BND, um alte Rechnungen zu begleichen? Mit der Freigabe von Informationen über die Agentenkarriere von Dietl für den Schäfer-Bericht hatte der BND den Fehdehandschuh aufgenommen. Wer wird nun wen weiter erpressen wollen? Brisanter Stoff steckt noch genug in dieser Konstellation.“


Ganz dick trug Eva Horn auf. In der Fachzeitschrift „Literaturen“ (07/08/06) rezensierte die Autorin von der Universität Basel mit viel Schaum vorm Mund die zweite Ko-Produktion des Teams Juretzko/Dietl: „Im Visier“. Der Leser erfährt leider nichts Konkretes über den Inhalt, weil es der Vorzeigefrau des BND-nahen Berliner Lobbyistenvereins „Gesprächskreis Nachrichtendienste“ (GKND) vorwiegend darum geht, die Verfasser zu verteufeln: „Gegen den BND-Aussteiger Norbert Juretzko ist gerade das zweite Strafverfahren anhängig, nachdem er gefälschtes Material gegen Volker Foertsch, einen Abteilungsleiter des BND, produziert hatte, um diesen als russischen Maulwurf zu belasten. Und der Journalist Wilhelm Dietl ist derzeit im Kreuzfeuer, weil er – im Auftrag des BND – Kollegen ausspioniert haben soll. Einmal abgesehen von dem also nicht ganz makellosen Ruf seiner Autoren ist auch das Buch wenig mehr als eine wirre, allerdings in einem giftigen Kolportage-Ton vorgetragene Anekdotensammlung peinlicher Pannen und böser Machenschaften des, wie die Autoren genüsslich kalauern, `Bundesvereins Notorischer Dilettanten´. Es geht um eine ganz persönliche Abrechnung, um Selbstrechtfertigungen und bittere Vorwürfe, die an keiner Stelle mit Fakten belegt werden. Unfreiwillig werfen Juretzko und Dietl allerdings doch ein desaströses Licht auf einen Dienst, der sich überhaupt mit solchen Gestalten eingelassen hat.“ Wohltuend ausgewogen meldete sich Andreas Förster in der „Berliner Zeitung“ zu Wort, der seinerseits den weiten Weg nach Ostbayern nicht gescheut hatte, um ein langes Gespräch mit mir zu führen. „Möglicherweise lassen sich die Motive für seine Arbeit als Geheimagent auch nicht mit Worten fassen. Vielleicht versteht man den Mann nur, wenn man ihn in seinem Haus in der Oberpfalz besucht. Wenn man mit ihm durch das stillgelegte Schwimmbad im Keller streift, das Dietl zu einem gigantischen Archiv umfunktioniert hat, mit meterlangen Regalen voller Bücher, Ordner und Hängeregistraturen über nahezu alle Geheimdienste und Terrorgruppen dieser Welt, wenn man das durchgesessene Sofa unter der Leselampe inmitten der Regale sieht – dann beginnt man zu ahnen, dass Dietl ein Besessener ist, getrieben von der Suche nach Geheimnissen, für deren Besitz er auch bereit ist, Grenzen zu überschreiten. Dietl wäre der ideale Geheimagent – wenn er kein Journalist wäre, Er weiß das wohl, doch er redet lieber von staatsbürgerlichem Verantwortungsgefühl, von Sicherheit und Gefahrenabwehr, wenn man ihn nach dem Motiv für seine Agententätigkeit befragt. Und er sagt, dass er bei seinem Einsatz in Nahost für den BND viel Erfolg gehabt, dass er nie eine Niederlage erlitten, nie eine Panne verursacht habe. Das sich sogar der ehemalige BND-Präsident Hans-Georg Wieck persönlich von ihm vortragen ließ. Auch im Schäfer-Bericht – dem Dietl in diesem Punkt nicht widerspricht – heißt es, dass der Journalist `immer als Juwel im Quellenbestand´ des BND galt, der ´aufgrund seines Vorlaufs als einschlägiger Journalist auf einen beachtlichen Bestand an hochrangigen …. Gesprächspartnern zurückgreifen konnte. Dietls Auslandstätigkeit `muss für den BND sehr erfolgreich gewesen sein´, bemerkt Schäfer unter Verweis auf Zahl und Bewertung seiner Informationen und die Höhe seiner Vergütung: Rund 650 000 Mark bekam Dietl zwischen 1992 und 1998 vom BND, zwei Drittel davon als Auslagenerstattung. Dietl lässt keinen Zweifel daran, dass er stolz ist auf seine Arbeit für den BND, zumindest was die Spionage im Ausland betrifft.“ Und eine andere gab es zu meiner Zeit und bei meiner Führungsstelle nicht…..


Nachdem dieser Artikel am 13. Juli 2006 erschienen war, veranstaltete ich abends im Berliner Hotel Maritim pro Arte eine Pressekonferenz, um die falschen Behauptungen der vorangegangenen Wochen gerade zu rücken und der Rufmordkampagne entgegen zu wirken. Ich wollte mich den Kollegen stellen und deutlich zeigen, dass ich keinen Grund hatte, mich zu verstecken. Ich war der einzige unter den Genannten im „Schäfer-Bericht“. Und doch wurde diese Offenheit nicht angenommen. Die Pressekonferenz war gut besucht. Ich referierte beinahe eine Stunde und beantwortete weitere 90 Minuten Fragen. Am Ende berichteten drei (!) Blätter von dem Ereignis. Erstmals sprach ich ausführlich mit dem einseitigen Fernsehmagazin „Zapp“. Nicht eine Sekunde davon wurde gesendet. Meine Aussagen passten eben nicht ins Bild, nicht zu den wochenlangen Vorverurteilungen und nicht zur Gesamtkampagne. Was nicht sein kann, das darf nicht sein. Soweit zum Selbstverständnis und zur Suche nach Wahrheit bei den deutschen Medien. Spätestens seit jenem Abend ist der immer wieder geäußerte Vorwurf, ich sei für Journalisten nicht erreichbar gewesen, haltlos.


Ein Internet-Blog namens „Parteibuch Lexikon“ kam bald darauf mit einer erstaunlich exakten biographischen Darstellung. Darin hieß es: „Zu seiner Ehrenrettung ist zu sagen, dass der FOCUS ihn im November 2004 mit zwei vorgeschobenen Vorwürfen rauswarf. FOCUS behauptete, Dietl habe unkeusche Kontakte zum Geheimdienst von Saddam Hussein unterhalten, und er habe dem Stern-Kollegen Georg Wedemeyer verbotenerweise am Handy verraten, was Bayerns Innenminister Günther Beckstein bei einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung quasi öffentlich erzählt hatte. Das habe Wedemeyer dann in einem Artikel zitiert. Der Verrat bestand aus zwei oder drei Sätzen. Dietl klagte gegen die Kündigung und gewann inzwischen zweimal gegen FOCUS. Markwort will es wissen und ging in Berufung. Kein Kenner der Juristerei gibt ihm eine echte Chance.


Inzwischen scheint klar zu sein, dass Wilhelm Dietl nicht nur in das Visier von FOCUS geraten ist. Auch der BND will es wissen. Nachdem Norbert Juretzko und Wilhelm Dietl ihr erstes gemeinsames Buch („Bedingt dienstbereit“) im Sommer 2004 veröffentlicht hatten, wurde die Observation des kritischen Journalisten durch das Horch-und-Guck-Kommando des BND, genannt QB30, verstärkt. Dietl bekam auch immer wieder Besuch durch den BND-Spitzel Uwe Müller aus Leipzig. Er versuchte alles über die Kooperation Dietl-Juretzko herauszufinden. Das begann kurz vor Erscheinen von „Bedingt dienstbereit“ und endete erst mit der BND-Affäre vom Mai 2006. Müller wurde in dieser Zeit zur Klette. Seine Auftraggeber beim Untersuchungsreferat 80B (damals geleitet von Melanie Rengstorf, der Ehefrau eines hohen bayerischen Landesbeamten) konnten gar nicht genug bekommen. Als klar wurde, dass Juretzko und Dietl an einem Nachfolgebuch arbeiteten („Im Visier“, erschienen Mai 2006) drehten sie förmlich durch.


Der BND versuchte in besonders perfider Weise, Dietl in Misskredit zu bringen. Er meldete seinen Namen an den Bespitzelungs-Sonderermittler Gerhard Schäfer. So geriet Wilhelm Dietl in einen Sack mit seinem Verfolger Uwe Müller, und alle schlugen wütend drauf. Dietls eigentliches Geheimnis wurde im November 2005 durch eine erste Berichterstattungswelle bei Zapp, FOCUS und Spiegel in Ansätzen geliftet. Er hatte nämlich von 1982 bis 1992 offiziell und doch streng geheim für den BND gearbeitet, war aber in den ersten Wochen von 1993 ausgeschieden.“


Langsam kehrte eine Art irrationale Normalität ein. Die Medien verabschiedeten sich vorübergehend von ihren Hinrichtungsgelüsten. Sie fragten nun schon einmal nach und ließen sich meine neue Situation erklären. Es entstanden Artikel mit Überschriften wie „Zwischen Intrigen, Schreibdruck und Diät“ („Kötztinger Zeitung“, 7. Oktober 2006). Nach der Recherche auf dem Anwesen der Familie Hanning im westfälischen Nordwalde erkannte dieselbe Zeitung: „Wilhelm Dietl wieder in den Schlagzeilen“.
Da wollte auch die Konkurrenz nicht zurückstehen. In der Ausgabe vom 18. November 2006 gelang dem Chefreporter des „Bayerwald-Echos“/“Mittelbayerische Zeitung“, Johannes Schiedermeier, eine erstaunliche Leistung. Auf zwei kompletten Zeitungsseiten schilderte er mein Leben und die äußerst ungewöhnliche Lage, in die ich durch den BND geraten war: „Wilhelm Dietl – der verratene Spion“. Auch das farbige Layout hatte es bei der Lokalzeitung, die sonst vorwiegend auf kleinteiliger Vereinsberichterstattung und politischem Landleben aufgebaut ist, noch nie gegeben.


Kostprobe aus der Reportage: „Die Tarnung als Journalist, vor allem aber als erfolgreicher Buchautor, sei …. eine große Hilfe gewesen, sagt Dietl. Er hat keinerlei Gewissensbisse. `Meine Weste ist weiß, ich bereue nichts. Das war gut und notwendig, weil es der Sicherheit des Staates diente.´ Der Mann mit den freundlichen Augen hinter der goldgerandeten Brille vermittelt einen gewissen Stolz: `Ich habe erstklassige Beurteilungen bekommen und ein Agentennetz mit Leuten aufgebaut, die heute noch in maßgeblichen Positionen in vielen Staaten sitzen.´ `Doch, ich schlafe nachts gut´, sagt der Ex-Spion. Dabei hat er selbst gesagt, dass er heute nicht mehr in den Irak fahren will. `Dort gehen die Kriegsparteien davon aus, dass die Journalisten für die jeweils andere Partei unterwegs sind oder für einen Geheimdienst. Da gilt ein Menschenleben nichts mehr´“


In derselben Ausgabe fand sich auf Seite 3, also in der Gesamtauflage, ein weiterer Artikel von Johannes Schiedermeier und Martina Schaeffer – eine Art Kurzfassung der lokalen Langversion: „Wilhelm Dietl – ein Spion will seine Ehre zurück“. Und dazu ein halbseitiges Interview. Frage: „Dadurch, dass Sie enttarnt wurden, sind Ihre Quellen in Gefahr geraten. Sind dem schon Informanten zum Opfer gefallen?“


Antwort: „Bis jetzt nicht erkennbar. Ich habe im Sommer Leute gewarnt, vor dem BND und den Folgen der Affäre. Klar, dass die Dienste dort eins und eins zusammenzählen. Der Sicherheitsdienst ist ja sehr professionell und böse, gerade in Syrien. Die sehen, der war 78 mal hier, da hat er zehn Personen häufig getroffen: Das eine eine Liebschaft, das andere Sentimentalität, aber die anderen acht kommen in Frage, denn der eine war Oberst und der andere General…. Und die sind jetzt im Visier.“


Ende November 2006 gab es frische Schlagzeilen. Die „Berliner Zeitung“ titelte: „BND-Chefs droht Ermittlungsverfahren.“ In der „Zeit“ eine identische Überschrift: „Geheimnisverrat: BND-Chefs droht Ermittlungsverfahren“. Es ging um meine Strafanzeige gegen August Hanning und Ernst Uhrlau wegen des von ihnen zu verantwortenden schwerwiegenden Verratsfalles.


Eine andere Seite der Berichterstattung befasste sich mit meinem aktuellen Buch über Frauen im Geheimdienst („Spy Ladies“) und dem damals noch nicht fertigen Buch über die BND-Jahre („Deckname Dali“). Immer wieder sorgten gewonnene oder verlorene Gerichtsverfahren für eine Erwähnung an der Nachrichtenbörse.
Ende April 2007 erschien „Deckname Dali“. Es gab eine neue Pressekonferenz in Berlin, positive und negative Berichte. Die übliche Debatte, aber keine neuen Argumente.


„Spiegel Online“ geriet darüber ins Philosophieren: „Was war Dietl eigentlich in jenen Jahren zwischen 1982 und 1992 – ein schreibender Agent, ein spionierender Reporter? Oder am Ende nichts von beidem so richtig.“


Eine Kollegin vom „Kölner Stadtanzeiger“ bemühte sich, beim Versuch einer Rezension des Buches betont witzig zu sein: „So hat sich der Leser, dem Gewerbe durch die Lektüre von le Carrés Thrillern und James-Bond-Filmen vertraut, das Agentenleben schon immer vorgestellt. Ein Mann dringt in Top-Terror-Organisationen und arabische Geheimdienste ein; ist Augenzeuge bei Geiselbefreiungen und quasi auf Du mit hochrangigen Islamisten und afghanischen Fundamentalisten. Heiße Informationen, heiße Nächte, Einschusslöcher im Kofferraum, Überleben mit Arafat im Granatenhagel – und immer wieder auf der heißesten aller Spuren zwischen Afghanistan, dem Iran, Libyen und dem Libanon. Weniger darf´s wohl nicht sein, denn Dietl befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen den BND.“ Ob die Dame aus der rheinischen Schreibstube das Buch überhaupt gelesen hat, weiß man nicht so genau, da ihr letztlich nicht einmal mein Vorname im Gedächtnis geblieben ist. Sie verwechselt mich mit Helmut Dietl. Ich schreibe ihr und weise sie darauf hin. Keine Antwort.


Am 15. Juni 2007 erschien der fachlich fundierteste und seriöseste Artikel über mich. Er hieß ganz einfach „Titelgeschichte“ und wurde in der führenden israelischen Tageszeitung „Haaretz“ abgedruckt. Der Autor hieß Yossi Melman und gilt in Israel als der bestinformierte Journalist im Sicherheits- und Geheimdienstbereich. Melman erklärte seinen Lesern in Hebräisch und Englisch was ich beim Bundesnachrichtendienst und in den Medien getan hatte – und welche Vorwürfe nun gegen mich erhoben wurden. Eines zieht sich quer durch den langen Text: In Israel tut man sich schwer damit, die Denunziation durch eine deutsche Bundesbehörde zu verstehen, vor allem wenn es sich um einen verdienten früheren Mitarbeiter in einem absolut sensiblen Bereich handelt. Quer durch die westliche Welt haben mich immer wieder Nachrichtendienstler darauf hingewiesen, dass ich ein vergleichbares Schicksal in ihren Ländern nicht zu erwarten hätte.


Eigentlich sollte sich Yossi Melman mein uneingeschränktes Lob mit Verena Klug und Ron Kenner teilen. Sie studiert Geschichte und Germanistik in Graz, und er gehörte früher einer militärischen Spezialeinheit an, arbeitete im Polizeidienst, ist inzwischen Experte im Bereich „business intelligence“. Beide befragten mich mehrere Stunden lang für das Fachmagazin JIPSS („Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies“) des gleichnamigen Kompetenzzentrums an der Universität Graz. 13 Seiten nahm das Interview im einzigen österreichischen Magazin zum Fachbereich Geheimdienste ein. Es trug den Titel „Vom `Juwel´ zum Zielobjekt des Bundesnachrichtendienstes“. Das Team Klug und Kenner war bestens vorbereitet und konnte das gesamte Spektrum der möglichen Themen abdecken. Eine intellektuelle Freude.


Ein kurzer Auszug: Frage: „Der Bundesnachrichtendienst hat nicht nur Ihren Namen als ehemaliger BND-Mitarbeiter publik gemacht, sondern im Verfahren gegen Juretzko auch die Klarnamen mehrerer seiner russischen Quellen, darunter auch solche, welche die russischen Spionageabwehr noch gar nicht enttarnt hatte!“


Antwort: „Der BND ist in diesem Fall sprichwörtlich über Leichen gegangen, um seine eigene Zielsetzung, im gegenständlichen Fall die Verbesserung der eigenen Position im Verfahren gegen Juretzko zu erreichen. Da wurden alle anderen Aspekte, wie z. B. der Quellenschutz, zur Seite gekehrt, nach dem Motto: `Wir zünden das Haus an, wenn wir zu erkennen glauben, Juretzko und Dietl sind drinnen!´ Von den Schwierigkeiten einer möglichen Anwerbung neuer Quellen rede ich da gar nicht!“


Frage: „Gibt es da nicht eine deutliche Parallele zu Richard Tomlinson, den MI6 wegen einer Nichtigkeit auch mit unverhältnismäßigen Maßnahmen verfolgt? Tomlinson hatte seinem ehemaligen Arbeitgeber auch lange die versöhnliche Hand gereicht?“


Antwort: „Ja, so kann man es sehen! Ich habe mein Buch `Deckname Dali´ erst verfasst, als zu erkennen war, dass der BND kein klärendes Gespräch mit mir führen würde. Ich sah es als einzige Möglichkeit, die Angelegenheit so darzustellen, wie sie wirklich war. Ich hätte `Dali´ nie veröffentlicht, wenn der BND klargestellt hätte, dass ich für ihn niemals Journalisten bespitzelt habe. Grundsätzlich: Ich habe dreimal über einen Anwalt um einen Aussprachetermin beim BND-Präsidenten Uhrlau gebeten und erhielt zweimal als Antwort, der Präsident sehe keinen Grund dafür.“


Immer wieder drängt sich der Vergleich zwischen den deutschen Medien und jenen im Ausland auf. Jenseits der Grenzen sind sie verständnisvoll und konstruktiv, im Inland dagegen hämisch und zerstörerisch – wenn es um Dietl/Dali geht. Zum einen Lager zählt das kroatische Nachrichtenmagazin „Globus“, das meinem Fall im November 2007 sechs Druckseiten widmete. Das Gegenbeispiel: Zeitgleich mit dem österreichischen Interview erschien bei der „taz“ eine Rezension des Buches „Deckname Dali“. Überschrift: „Ein Egomane als Agent“. Der Autor Otto Diederichs versuchte sich als Komödiant und scheiterte dabei, das eigentliche Thema und den künstlich überspitzten Stil in Einklang zu bringen.


Kostprobe: „Irgendwie muss es wohl eine schöne Zeit gewesen sein: Da war ein Mann noch ein Mann und sein Wort eben ein Wort; ein Puff war ein Puff und auch mit den Großkopferten streng muslimischer Länder ließ es sich hinter verschlossenen Türen gelegentlich munter saufen. Alle beim BND waren da noch echte Kumpels und zudem in der Aufklärung richtig erfolgreich. …. Zum einen hat hier ein Egomane geglaubt an der Macht zu nagen und fühlt sich jetzt bitter enttäuscht und grundsätzlich missachtet. Zum zweiten hat Dietl die moralisch-ethischen Anstandsregeln des Journalismus stets bewusst und freudig überschritten….. Höchst interessante Operation, Agent Dietl!“


Damit würde ich mich beim „Kölner Stadtanzeiger“ bewerben, Otto Diederichs. Dort sucht man solche sicheren Stilisten.
„Die wesentlichen Fakten liegen oft im Verborgenen“, sagt die FOCUS-Werbung. Recht hat sie. Solange sich die Berichterstattung über mich wie Feuer und Wasser, Himmel und Hölle liest, sichert sie Arbeitsplätze in einem keineswegs krisensicheren Gewerbe. Das nutzt dann irgendwie doch allen.

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